Einzelbeitragsforum zum Verhältnis Soziale Arbeit und unbezahlte Care-Tätigkeiten

Datum u. Ort

05.09.2018 - 17:15 bis 18:45

max. Teilnehmer*innen: 20

Raum: B242

Referent*innen

- Yvonne Rubin
- Janine Kuhnt M.A.

Über die Referent*innen:

1. Einzelbeitrag − Yvonn Rubin (Hochschule Fulda)
2. Einzelbeitrag − Janine Kuhnt, M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Friedrich-Schiller-Universität Jena Institut für Erziehungswissenschaft, Lehrstuhl für Sozialpädagogik und außerschulische Bildung

Form

Einzelbeitragsforum

Einzelbeitragsforum

Thema

Programmatiken – Neuregulierung – demokratische Beteiligung: Soziale Arbeit politisch

Schlagworte

Professionalität | Empirie | Genderstudies | Care-Arbeit

1. Einzelbeitrag - Rubin. Die Übernahme von sorgenden Tätigkeiten für eine älter werdende Bevölkerung als freiwilliges Engagement: Freiwilliges Engagement – und insbesondere dann, wenn es bei einem solchen Engagement um eine Gestaltung des Sozialen geht – ist immer auch verknüpft mit geschlechtsspezifischen Fragestellungen. So liegt die Vermutung nahe, dass durch die gegenwärtige politische Forderung nach mehr freiwilligem Engagement in der Versorgung der älter werdenden Bevölkerung mit sorgenden Tätigkeiten, insbesondere Frauen angesprochen werden, sich in einer solchen Art und Weise zu engagieren. Die Debatte über die Organisation von sorgenden Tätigkeiten wird inhaltlich entlang zweier Diskussionsstränge geführt: Auf der einen Seite wird vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen und politischer Notwendigkeiten argumentiert. Während der Anteil der älter werdenden Personen innerhalb der Bevölkerung steigt, scheinen sozialstaatliche Sicherungssysteme nicht (mehr) geeignet, die damit verbundenen (erwarteten) Herausforderungen – also eine vermehrte Inanspruchnahme von sorgenden Tätigkeiten – bewältigen zu können. Parallel zu diesen Entwicklungen werden familiale Unterstützungssysteme prekär, da immer weniger Zeitressourcen für die Übernahme notwendiger sorgender Tätigkeiten zur Verfügung stehen. Als Reaktion auf diese Entwicklungen wird vermehrt freiwilliges Engagement gefordert, um die Versorgung der älter werdenden Bevölkerung sicherstellen zu können. Bisher nahezu unberücksichtigt in diesem Diskurs bleibt eine feministische Perspektive auf die Übernahme sorgender Tätigkeiten, die diese als eine soziale Praxis versteht, die sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum mit benennbaren strukturellen Voraussetzungen wie materiellen und zeitlichen Ressourcen ausgestattet sein muss. In diesem Beitrag wird aus feministischer Perspektive diskutiert, wie sich freiwilliges Engagement für eine älter werdende Bevölkerung konkretisiert. Insbesondere wird darauf eingegangen, welche Möglichkeiten innerhalb der Sozialen Arbeit zur Verfügung stehen, um den Diskurs um die Vergesellschaftung sorgender Tätigkeiten mitzugestalten.
2. Einzelbeitrag - Kuhnt. Engagementförderung zwischen Professionalisierungsbestrebungen und Beweggründen, diese zu verhindern: Welche Vorstellungen von Engagement und Haltungen zu dessen Qualifizierung haben lokale Engagement fördernde Akteure? Dieser Frage wird basierend auf Teilergebnissen eines Dissertationsprojekts nachgegangen, das sich dem Selbstverständnis von Akteuren der organisierten Zivilgesellschaft und Kommunalpolitik und -verwaltung, qualitativ, in zwei Städten, widmet; dargestellt werden Vorstellungen von Engagement, dessen Einbindung in die Dienstleistungserbringung und Qualifizierungserwartungen. Die Einordnung der Befunde in den erziehungswissenschaftlichen Diskurs erfolgt auf der Basis indikatorengestützter und pragmatischer Professionalisierungsmodelle. Die kommunizierte Handlungspraxis der Akteure verdeutlicht vier Aspekte: Professionalisierungsbestrebungen 1. der hauptamtlich Beschäftigten, 2. der Engagierten, 3. Deprofessionalisierung von Bereichen und 4. Selbstoptimierung der Engagierten.