Einzelbeitragsforum zur Beziehungsarbeit und Persönlichkeitsbildung im Studium der Sozialen Arbeit

Datum u. Ort

07.09.2018 - 09:15 bis 10:45

max. Teilnehmer*innen: 60

Raum: C3

Referent*innen

- Sabrina Amanda Hancken
- Prof. Dr. Peter Schäfer

Über die Referent*innen:

1. Einzelbeitrag − Sabrina Amanda Hancken, Hochschule Merseburg, Schwerpunkt: Sozialarbeitswissenschaften und Sozialpsychiatrie
2. Einzelbeitrag − Prof. Dr. Peter Schäfer (Vorsitzender des Fachbereichstags Soziale Arbeit)

Form

Einzelbeitragsforum

Einzelbeitragsforum

Thema

Bildung – Qualifizierung – Wissensproduktion: Soziale Arbeit lernt

Schlagworte

Professionalität | Persönlichkeitsbildung | Hochschulbildung

1. Einzelbeitrag - Hancken (45 Minuten inkl. Diskussion). Beziehungsgestaltung im Umbruch?! – Ansätze zur Beziehungsarbeit im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit: Im Zuge der neoliberalen Umstrukturierungsprozesse des Sozialstaates droht der Anspruch der Sozialen Arbeit, den Menschen in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen, immer weiter in den Hintergrund zu geraten. Um einer De-Professionalisierung entgegenzuwirken, muss Soziale Arbeit für ihre professionellen Werte und Standards eintreten. Nicht zuletzt weil sie die Voraussetzung für eine langfristige, wirksame Intervention bilden, wird der Gestaltung von Arbeitsbeziehungen im Professionalisierungsdiskurs eine hohe Bedeutung beigemessen. Denn eine gute Arbeitsbeziehung kommt nicht zufällig zustande oder hängt nicht zu weiten Teilen von der Persönlichkeit des Sozialarbeitenden ab, sondern sie ist vielmehr lernbar. Deshalb bedarf es schon im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit ausgewiesener Lernorte. Im Rahmen des Vortrages wird ermittelt, was eine gute professionelle Beziehungsarbeit auszeichnen sollte und inwieweit das Studium der Sozialen Arbeit Studierende dabei unterstützen kann eine professionelle und reflektierte Beziehung zu ihren AdressatInnen aufzubauen und zu gestalten.
2. Einzelbeitrag - Schäfer. Persönlichkeitsbildung in der Sozialen Arbeit - Qualifikationsrahmen Soziale Arbeit, Konzepte, Forschung: Die Frage der Persönlichkeitsbildung sozialer Fachkräfte gewinnt eine zunehmende Bedeutung sowohl in der Praxis als auch in der Wissenschaft Sozialer Arbeit. So setzen Praktiker*innen (quasi als ‚letzte Hoffnung‘?) darauf, dass soziale Fachkräfte sich engagiert einbringen und nicht nur Wissen und Können mitbringen, sondern auch etwas tun (wollen). Das Thema wird auch verstärkt von wissenschaftlichen Kongressen aufgenommen, wie z.B. in Kürze von der Fachhochschule Bern und anderswo. Der Fachbereichstag Soziale Arbeit (FBTS) weist seit 2006 und im Jahr 2016 novellierte Qualifikationsrahmen (QR SozArb) - Version 6.0 - die Förderung von Persönlichkeitsbildung und Habitus als eigenständigen Deskriptor aus (http://www.fbts.de/qr-sozarb-version-60.html). Die Absolvent*innen „sollen über eine stabile, belastungsfähige und ausgeglichene Persönlichkeit mit ausgeprägter Empathie für soziale Aufgabenstellungen und darin beteiligte Personen verfügen. Ihre selbstkritische und reflektierte Haltung ermöglicht ihnen die Ausübung einer professionellen, distanzierten Berufsrolle unter Einbeziehung der eigenen Persönlichkeitsmerkmale auf der Basis eines reflektierten Welt- und Menschenbildes. Sie definieren selbständig Grenzen und Möglichkeiten ihres Handelns“. Der QR SozArb gilt allseits als anerkannte Referenzgrundlage der Disziplin und Profession Sozialer Arbeit in Deutschland. Persönlichkeitsbildung wird dabei entsprechend den Empfehlungen des deutschen Wissenschaftsrates (WR) von hochschulischen Qualifizierungszielen bestimmt, die die Sozialisation in die Wissenschaft, die Identifizierung mit einem Fach und seiner Fachgemeinschaft sowie die Entwicklung eines wissenschaftlichen und beruflichen Ethos fördern sollen. Zur Persönlichkeitsentwicklung im Rahmen eines Hochschulstudiums zählt der Aufbau personaler und sozialer Kompetenzen, wie beispielsweise die für Soziale Arbeit bedeutsame Empathie, Selbstorganisations-, Kommunikations-, Team- und Konfliktfähigkeiten. Die Dimension Persönlichkeitsbildung umfasst darüber hinaus die künftige zivilgesellschaftliche, politische und kulturelle Rolle der Absolvent*innen. Die Studierenden sollen nach ihrem Abschluss in der Lage sein, gesellschaftliche Prozesse kritisch, reflektiert sowie mit Verantwortungsbewusstsein und in demokratischem Gemeinsinn maßgeblich mitzugestalten (vgl. https://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/4925-15.pdf). Wie die Hochschulen den QR SozArb implementieren und welches Modell oder Konzept von Persönlichkeitsbildung und Habitus sie dabei zugrunde legen, ist nicht vorgegeben, sondern den Hochschulen im Rahmen der Profilbildung und Schwerpunktsetzungen anheimgestellt. Eine überschlägige Literaturauswertung der nur in geringem Umfang vorliegenden Untersuchungen zur Persönlichkeitsbildung von sozialen Fachkräften führt in deren Befunde bzw. Modelle ein. Der Vortrag skizziert kurz den QR SozArb mit seinen wesentlichen Grundlagen und Prämissen, stellt die Regelung zur Persönlichkeitsbildung und Habitus vor und gibt exemplarisch Einblicke in zugrundeliegende theoretische Ansätze und Konzepte für die Diskussion.