Einzelbeitragsforum

Datum u. Ort

06.09.2018 - 09:15 bis 10:45

max. Teilnehmer*innen: 20

Raum: B244

Referent*innen

- Jacob C. Will
- André Heinz

Über die Referent*innen:

1. Einzelbeitrag − Jakob C. Will, Marburg
2. Einzelbeitrag − André Heinz (Dissertation)

Form

Einzelbeitragsforum

Einzelbeitragsforum

Thema

Lebensform – Differenzen – Fallkonstruktion: Soziale Arbeit normalisiert

Schlagworte

Organisation | Arbeitsbedingungen | Beratung

1. Einzelbeitrag - Will. Dividuelle Beratung: Von der Normierung zur freiwilligen Selbstkontrolle oder vom Wert des Gleichen: Beratung zeigt sich seit den Anfängen der Institutionalisierung moderner Beratung im ausgehenden 19. Jahrhundert als ein ambivalentes Format. Neben dem Rat geben in seiner Funktion als Orientierungshilfe für Einzelne als Emanzipationsermöglichung wird vor allem auch deutlich, dass beraten auch Mechanismen der Normierung und Normalisierung implizieren kann: mit Blick auf eine soziohistorische Verortung von Beratung als Praxis, lässt sich ein Wandel vom privaten Gebrauch des Kommunikationsmusters 'Rat geben’ hin zum Gebrauch für gesellschaftliche Zusammenhänge in Bezug auf die 'Soziale Frage' feststellen. Damit lässt sich Rat geben auch als Regierungstechnologie im foucaultschen Sinn beschreiben. (Duttweiler) Foucault hat Normalisierungsstrategien als Maßnahmen der Disziplinargesellschaft beschrieben und rekonstruiert dies in seinen Analysen der ‚einschließenden Institutionen‘, wie des Gefängnisses, der Schule, das Militär etc. Im Vortrag soll diskutiert werden, ob und inwiefern Beratung nun nicht mehr als Moment der Disziplinierung und Normalisierung zu betrachten ist, sondern sich vielmehr im Übergang zu einer (sozial-)kontrollierenden Form befindet. Möglicherweise zeigt sich mit Deleuze ein Übergang der von Foucault beschriebenen Disziplinargesellschaft hin zu einer Kontrollgesellschaft. Beratung übt eine - so die Überlegung - dividuelle Formierung aus - eine Form von (freiwilliger) Selbstkontrolle, die sich einer sozialen Reglementierung seiner Selbst verschreibt. Zu denken ist dabei nicht nur an Zwangsberatungskontexte, sondern, gerade subtile (und nicht subtile) Formen der (Selbst-)Ermächtigung können als Selbsttechniken des Subjekts gedeutet werden: Ein regieren über erwünschte Freiheit. Beratung agiert damit als ein Aspekt von Selbstführung: die Sorge um sich als unausweichlicher Zwang freiwilliger Selbstkontrolle und damit verbundenen Marketingstrategie vermeidlich erfolgreicher Bemühungen zur Behauptung auf dem ‚Markt’, im Sinne des ‚unternehmerischen Selbst‘. (Bröckling) Für eine solche Analyse ist für mich richtungsweisend, was sich in den Verhältnissen von Berater_innen und Ratsuchenden sowohl in den Strategien der Normierung und Normalisierung als auch der Fokussierung auf eine Selbst-Reflexion als Kontrollmechanismus vollzieht, dem ich im Vortrag nachspüren möchte.

2. Einzelbeitrag - Heinz. Flexibilisierung im Erwerbsleben von Beschäftigten in den sozialen Berufen und kollektive Interessenorganisation: Die Vermarktlichung und Privatisierung des Wohlfahrtsstaats führt zu einer konsequenten Ausweitung von atypischen Beschäftigungsverhältnissen in den sozialen Berufen. Politische Gegenbestrebungen, in Form von kollektivem Handeln, wären unter diesen Voraussetzungen zu erwarten, beschränken sich aber bislang auf vereinzelte Aktivitäten. Können die Beschäftigten sich nicht kollektiv organisieren (fehlt es an Zeit, Kompetenzen oder Geld)? Wollen die Beschäftigten sich nicht organisieren (kein Interesse an einer kollektiven Interessenorganisation)? Oder wurden die Beschäftigten nicht gefragt (fehlende Ansprache durch verschiedene Netzwerke)? Im Rahmen des Vortrags werden die Ergebnisse der bundesweiten online-Erhebung vorgestellt und mit den Teilnehmer_innen diskutiert.