Einzelbeitragsforum zu Individualethik und Sozialer Arbeit als Menschenrechtsprofession

Datum u. Ort

06.09.2018 - 17:15 bis 18:45

max. Teilnehmer*innen: 36

Raum: B400

Referent*innen

- Dr. Tobias Nickel-Schampier
- Philipp Martaler B.A.
 

Über die Referent*innen:

1. Einzelbeitrag
− Dr. Tobias Nickel-Schampier; Kinder- und Jugendhilfe und Hochschuldozent

2. Einzelbeitrag
− Philipp Martaler (aktuell Masterstudent Erziehungswissenschaft an der Universität Bielefeld, B.A. Soziale Arbeit an der Fachhochschule Bielefeld)

Form

Einzelbeitragsforum

Einzelbeitragsforum

Thema

Programmatiken – Neuregulierung – demokratische Beteiligung: Soziale Arbeit politisch

Schlagworte

Theorie-Praxis-Transfer | Soziale Arbeit und Ethik | Professionalität | Menschenrechtsprofession | Politik

1. Einzelbeitrag - Nickel-Schampier
„Plädoyer für einen individualethischen Ausgangspunkt Sozialer Arbeit“:
Die faktischen Gegenstände der Praxis Sozialer Arbeit und die der Disziplin scheinen zunehmend auseinanderzudriften. Während verschiedene prominente Theorieverständnisse eine sozialethisch konturierte Perspektive auf Fragen der sozialen Gerechtigkeit einnehmen (Menschenrechtsprofession, capability-approach) und u.a. eine gerechtere Struktur von soz. Institutionen fordern, lässt sich die Praxis als zunehmend sozialstaatlich institutionalisierte Reaktion auf individualisierte Problemlagen charakterisieren. Der Vortrag geht der Frage nach, wo sich der Ausgangspunkt, also gewissermaßen das Proprium Sozialer Arbeit verorten lässt. Es wird die Position vertreten, dass die Profession längst eine individualethische Perspektive auf die individuelle Existenz des Einzelnen und dessen berechtigte Ansprüche gegenüber dem Sozialen eingenommen hat.

2. Einzelbeitrag - Martaler
„Sind wir die Guten? Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession – Eine gesellschaftstheoretische Analyse“:
Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession – Eine gesellschaftstheoretische Analyse Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession zu begreifen, ist ein maßgeblich auf Silvia Staub-Bernasconi zurückgehender Ansatz, der in der Sozialen Arbeit prominent diskutiert wird. Der Anspruch des Ansatzes liegt darin, dass sich Soziale Arbeit in den Dienst der Durchsetzung der Menschenrechte stellen solle und damit ein Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände der Menschen weltweit leisten könne. Mit Bezug auf die Menschenrechte als drittes Mandat könne die Soziale Arbeit die für eine Profession nötige Autonomie gewinnen, ihren Klient_innen besser helfen zu können. In Fachdiskursen der Sozialen Arbeit werden die Menschenrechte kontrovers diskutiert. Trotz zahlreich festgestellter Problematiken gibt es aber keine substantielle Auseinandersetzung damit, was Menschenrechte sind und keine analytische Prüfung, ob ein Bezug auf sie wirklich ein geeignetes Mittel für Soziale Arbeit darstellt, sich als Profession dem Staat gegenüber Handlungsspielräume zu verschaffen und so die Probleme der Klient_innen zu bekämpfen. Im Vortrag werden zentrale Gedanken von Karl Marx und weiteren relevanten Autor_innen zu den Grundprinzipien der Menschenrechte, „Würde“, „Freiheit“, „Gleichheit“ und „Eigentum“ aufgegriffen, um anschließend auf die gesellschaftlichen Folgen der Geltung dieser Prinzipien einzugehen. Marx kritisiert die Menschenrechte, indem er sagt, dass sie ein spezifisches Vorkommnis der bürgerlichen Gesellschaft sind und die politische Voraussetzung für die kapitalistische Ökonomie bilden. In den durchgesetzten Menschenrechten sieht er vielmehr die überall in der Welt vorkommende Armut und die daraus resultierende soziale Frage begründet. Wieso weichen die Meinungen über die Menschenrechte so weit voneinander ab und wie ist das zu erklären? Wie sind die Erkenntnisse von Marx auf den aktuellen Diskurs der Sozialen Arbeit anzuwenden? Diesen Fragen soll im Vortrag nachgegangen werden.