Kinder haben oder nicht? – Balanceleistungen und Autonomieentwicklung

Datum u. Ort

06.09.2018 - 11:15 bis 12:45

max. Teilnehmer*innen: 20

Raum: C226

Referent*innen

- Prof.'in Dr. Yvonne Gassmann
- lic. phil. Jeannine Hess

Über die Referent*innen:

− Prof.'in Dr. Yvonne Gassmann: Professorin für Psychologie und Beratung in der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg. Arbeitstitel: Verletzbar durch Elternschaft – Balanceleistungen von Eltern mit erworbener Elternschaft
− lic. phil. Jeannine Hess: Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Sozialer Arbeit an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Doktorandin am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich. Arbeitstitel: Kinderlosigkeit und fehlende Großelternschaft – Autonomieentwicklungsprozesse

Form

Workshop

Workshop 1,5-stündig

Thema

Lebensform – Differenzen – Fallkonstruktion: Soziale Arbeit normalisiert

Schlagworte

Alter | Eltern-/Großelternschaft | Lebensformen

Ein Beitrag fokussiert Frauen und Männer, die Kinder haben, und ein Beitrag fokussiert jene, die keine haben. Geplant ist eine gemeinsame Diskussion der Balanceleistungs- und Autonomieentwicklungsprozesse. Im ersten Beitrag wird auf die Verletzbarkeit durch Elternschaft und Balanceleistungsprozesse fokussiert. Pflegeeltern und Adoptiveltern sind in engen, emotionalen und deshalb normalen Eltern-Kind-Beziehungen spezifisch oder zusätzlich verletzbar. In einer breit angelegten qualitativ-rekonstruktiven Untersuchung kamen sie zu Wort. Die Analysen ihrer Erzählungen und Berichte erlauben 7 Modalitäten und 7 Entwicklungsräume erworbener Elternschaft darzulegen. So kann auch die Entwicklung eines Elternselbst und eines sowohl visionären als auch im Alltag tragenden Elternselbst-Leitbildes veranschaulicht werden. Dies ist für viele Elternschaftsformen relevant, denn jede Elternschaft muss mehr oder weniger erworben werden. Im zweiten Beitrag stehen kinderlose Frauen und Männer der Kriegs- und Nachkriegsbabyboomer-Generation im Zentrum. Sie befinden sich heute in der nachberuflichen Lebensphase und stehen nach wie vor in einem jeweiligen Verhältnis zur Norm „Kinder haben“, wobei sich verschiedene Typen zeigen. Die Auswertung der autobiografisch-narrativen Interviews entlang der Narrationsanalyse nach Fritz Schütze zeigt, dass verschiedene Teilprozesse – Beziehungen, Beruf/Aktivitäten, Alter(n) und Orientierung an Normen und Normalisieren – das Phänomen Kinderlosigkeit bedingen. Die betrachtete Generation durchläuft unterschiedliche Prozesse der Autonomieentwicklung. Im Workshop erfolgt eine gemeinsame Diskussion beider Beiträge, wobei die verschiedenen Lebensformen und -verläufe mit Blick auf Balanceleistungs- und Autonomieentwicklungsprozesse durchleuchtet werden. Hierbei geht es einerseits um sozialpädagogisch mitarrangierte Beziehungen und andererseits um Menschen, die bis dato nicht im Fokus Sozialer Arbeit sind. Beim Thema „Kinder haben oder nicht?“ stehen somit Menschen, in deren Lebensverlauf die Soziale Arbeit eine große Rolle spielt, Menschen gegenüber, die von der Sozialen Arbeit nicht adressiert werden.